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Software-Ökosysteme

Interview

Welche Anforderungen ergeben sich für Unternehmen, die insbesondere in Software-Ökosystemen aktiv werden wollen? Auf welche Herausforderungen müssen sich etablierte Softwarehersteller einstellen und wo liegt eigentlich der Vorteil eines Software-Ökosystems? Diese und andere Fragen hat uns Slinger Jansen im Interview beantwortet.

Slinger Jansen ist Assistant-Professor an der Universität von Utrecht und Mitautor von grundlegenden Werken zur Erforschung von Software-Ökosystemen. Einer seiner Forschungsschwerpunkte liegt insbesondere auf den Möglichkeiten, die Software-Ökosysteme Unternehmen und anderen Organisationen bieten.

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Das Software-Ökosystem


Von einem wirtschaftlichen Ökosystem wird gesprochen, wenn sich um ein Produkt oder einen Standard herum ein loses Netzwerk entwickelt, in dem ergänzende Produkte – auch Dienstleistungen – angeboten werden. Die Akteure in einem Ökosystem sind in der Regel unabhängig und recht heterogen. Unter ihnen können Großunternehmen und Mittelständler, aber auch Freelancer sein. Gerade bei Software-Ökosystemen sind oft auch nicht-kommerzielle Akteure vorhanden. Dabei gibt es oft, aber nicht immer, einen „Keystone Player“, der mit seinen zentralen Produkten die Entwicklung des Ökosystems wesentlich beeinflussen kann. Sein Einfluss auf die restlichen Akteure ist jedoch normalerweise indirekt. Die Akteure können sogar teilweise im Wettbewerb mit dem Keystone Player stehen.

Software-Ökosysteme sind ein rein abstraktes Modell. Einer sichtbaren Repräsentation, etwa eines Konsortiums, Interessensverbandes oder dergleichen, bedarf es nicht. Sofern solche Organisationen existieren, bilden sie in der Regel nur eine Teilmenge des Ökosystems ab.

In einem Software-Ökosystem können zum Beispiel mehrere Unternehmen als Keystone Player eine Plattform anbieten, die andere Unternehmen wiederum für ihre speziellen Produkte nutzen. Als Beispiel können hier Apples App Store, der Android Market aber auch das Ökosystem rund um SAP gelten. In allen drei Software-Ökosystemen geben die Keystone Player – also Apple, Google und SAP – die Rahmenbedingungen vor. Die anderen Unternehmen wiederum können die Plattformen gegen Gebühren u. a. als etablierte Distributionskanäle für ihre spezialisierten Produkte nutzen und profitieren obendrein vom qualitativen Status der Plattform wie auch des Plattformbetreibers.

Die Keystone Player wiederum profitieren neben den Einnahmen aus der Bereitstellung ihrer Plattform auch noch davon, dass ihr Produkt, zum Beispiel Android oder iOS, durch eine Vielzahl von fremden Produkten den unterschiedlichsten Anforderungen genügt ohne dass die Keystone Player alle Anforderungen selbst evaluieren müssen. Das wiederum sorgt für eine hohe Verbreitung der Plattform.

Vorteile von Software-Ökosystemen


Software-Ökosysteme sind letztendlich wirtschaftliche Ökosysteme, nur dass hier „eine softwarezentrierte Perspektive eingenommen wird“, wie Slinger Jansen erklärt. Diese Perspektive kann auch noch weiter gefiltert werden, „zum Beispiel in eine kommerzielle und eine Forschungsperspektive.“ Die Mechanismen des Ökosystems bleiben dabei die gleichen: Die Wirtschaftsgemeinschaft wird durch einzelne Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen, also Organismen im Sinne eines Ökosystems, unterstützt. Die Entwicklung im Laufe der Zeit wird dabei in der Regel von einem oder mehreren zentralen Unternehmen, den Keystone Players, vorgegeben.

Die Formen der Unterstützung durch Dritte sind dabei vielseitig, im Bereich der Software-Ökosysteme sticht allerdings ein Bereich besonders heraus: „Alle Anforderungen an das eigene Softwareprodukt im eigenen Unternehmen im Laufe der Zeit erfüllen zu wollen ist kritisch. Um sich das zunehmend aufwändige Domain-Engineering zu ersparen, können Dritte hier unterstützen und vom Produkt des Initiators profitieren, während das eigene Unternehmen als Keystone Player die generelle Richtung vorgeben kann“ erläutert Jansen. Wenn es das wesentliche Ziel eines Softwareunternehmens ist, dass seine eigenen Produkte und Services möglichst oft Verwendung finden, können hier also Dritte spezielle Anforderungen bedienen und so die Zielgruppe entsprechend erweitern, während das eigene Unternehmen als Keystone Player zum Beispiel als Betreiber der Plattform die generelle Richtung vorgeben kann. Im Ökosystem Software werden so Nischen von Dritten besetzt, während die Plattform als Basis für Entwicklungen dient.

Offenheit als Motor für Innovationen


Allerdings ist in diesem System die Offenheit im Bezug auf eigene Produkte und Standards eine „essentielle Voraussetzung für ein erfolgreiches Software-Ökosystem, da die Partner sonst keine Basis haben, auf welcher sie ihre Entwicklungen aufbauen können“, wie Jansen meint. An diesem kritischen Punkt, gerade was die Sorge um die Qualität der eigenen Produkte angeht, bleibt es erst einmal jedem Unternehmen selbst überlassen, welche Regeln es für sein Ökosystem aufstellt. Doch letztendlich bestimmen die Regeln, die man dem eigenen Software-Ökosystem zu Grunde legt, wie leistungsstark das eigene Unternehmen ist. Das hängt wiederum im hohen Maße mit der Exzellenz des betreffenden Produkts zusammen und ist auch ausschlaggebend dafür, wie erfolgreich das eigene Produkt sein wird.

Slinger Jansen meint dazu: „Es ist vielleicht ein bisschen altmodisch, in nur einer Domäne durch einen sehr restriktiven Umgang mit der Offenheit der eigenen Produkte unbedingt der König bleiben zu wollen“, wenn es doch genug Beispiele dafür gebe, wie man trotz einer Öffnung seine Geschäftsfelder dominieren kann – siehe Apple. Außerdem komme „im Laufe der Zeit jedes Produkt an den Punkt, an dem nicht mehr alle Anforderungen ohne Probleme im eigenen Haus erfüllt werden können.“
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