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Was Softwareprojekte erfolgreich macht

Paper des Monats

In unserem zweiten Paper des Monats stellen wir einen wissenschaftlichen Artikel von Richard Berntsson-Svensson und Aybüke Aurum von der University of New South Wales in Sydney, Australien, vor. Die Autoren befassen sich mit der Frage, welche Faktoren darüber entscheiden, wann ein Softwareprojekt beziehungsweise ein Softwareprodukt erfolgreich ist und wann nicht. „Successful software project and products: An empirical investigation” heißt unser neues Paper des Monats.

Unterschiedliche Vorstellungen von Erfolg


Üblicherweise wird ein Softwareprojekt und -produkt als erfolgreich wahrgenommen, wenn es im geplanten Budget- und Zeitrahmen abgeschlossen wurde und die zuvor definierten Anforderungen zur Zufriedenheit des Auftraggebers umgesetzt sind. Jedoch gab es in jüngerer Zeit Studien, die aufgezeigt haben, dass zum Beispiel die Manager solcher Projekte und die daran beteiligten Softwareentwickler zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen in der Erfolgsbewertung ihrer Projekte kommen. Inspiriert von dieser Beobachtung werfen Richard Berntsson-Svensson und Aybüke Aurum deshalb die Frage auf, welche Erfolgsfaktoren für Softwareprojekte und -produkte es tatsächlich gibt und wie deren Einfluss auf den Projekterfolg wahrgenommen wird. Konkret wurden folgende Forschungsfragen gestellt:

  • Welchen Effekt haben verschiedene Faktoren auf den Erfolg von Softwareprojekten und -produkten, unabhängig von der Branche des Auftraggebers?

  • Wie wird innerhalb einzelner Branchen „Projekterfolg“ und „Produkterfolg“ definiert? Welche Unterschiede gibt es zwischen den Branchen?

In ihrem Artikel stellen die Autoren zunächst vor, was genau „Erfolg“ im Zusammenhang mit Softwareprojekten und Softwareprodukten bedeutet. Anschließend stellen sie acht relevante Untersuchungen vor, die bereits zum Thema „Erfolgsfaktoren für Softwareprojekte” gemacht wurden.

Wissenschaftler analysieren drei Branchen im Detail


Zur Beantwortung der genannten Forschungsfragen haben die Autoren eine empirische Untersuchung gemacht. Sie befragten Softwareentwickler und Manager von 15 Unternehmen in Schweden und Australien und sammelten so insgesamt Daten aus 27 verschiedenen Softwareprojekten. Für die weitere Analyse wählten die Forscher die drei Branchen aus, in denen die meisten Softwareprojekte umgesetzt wurden: Finanzen, Beratung und Telekommunikation. Auf Grundlage der Befragung nennen Richard Berntsson-Svensson und Aybüke Aurum die Faktoren, die den Erfolg und den Misserfolg von Projekten in Abhängigkeit der Branche am stärksten beeinflussen. Hier als Beispiel die Ergebnisse aus der Finanzbranche:


Faktoren, die am stärksten mit dem Projekterfolg zusammenhängen:
  • Erstellung einer vollständigen und akkuraten Anforderungsbeschreibung zu Beginn des Projekts

  • gute Schätzungen und Pläne vorhanden

  • ausreichend Zeit für Anforderungserhebung vorhanden

  • klar definiertes und abgegrenztes Projektziel vorhanden

  • Projektmitarbeiter werden für Überstunden bezahlt

Faktoren, die am stärksten mit dem Misserfolg von Projekten zusammenhängen:
  • Austausch des Projektleiters im Laufe des Projekts

  • Beschäftigung von zusätzlichem Personal, um den Zeitplan einzuhalten

Erste Phase entscheidet oft über erfolgreichen Abschluss


In der Beurteilung, welche Faktoren Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg von Softwareprojekten haben, gibt es zwischen den genannten Branchen Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die wesentlichen wollen wir hier kurz diskutieren.

Zwei Faktoren werden in allen drei Branchen als besonders wichtig für den Projekterfolg eingeschätzt:

a) es wird eine vollständige und akkurate Anforderungsbeschreibung zu Beginn des Projekts erstellt und
b) es ist ausreichend Zeit für die Anforderungserhebung vorhanden. Bei mehr als zwei Dritteln der erfolgreichen Projekte waren diese Bedingungen erfüllt, jedoch bei keinem einzigen der gescheiterten Projekte.

Sowohl in der Finanz- als auch in der Beratungsbranche scheinen gute Schätzungen und Pläne wichtig für den Projekterfolg zu sein. In der Telekommunikationsbranche wird dieser Faktor nicht als bedeutend für den Projekterfolg wahrgenommen. Ein klar definiertes und abgegrenztes Projektziel wird nur in der Finanzbranche als wichtiger Erfolgsfaktor wahrgenommen.

Der Faktor „Beschäftigung von zusätzlichem Personal, um den Zeitplan einzuhalten“ wird in der Finanz- und Beratungsbranche in starkem Zusammenhang mit dem Misserfolg von Projekten gesehen. Dies ist allerdings nicht bei allen Projekten so, sondern hängt offenbar davon ab, in welchen Rollen die Verstärkung integriert wird und wann genau im Projekt dies geschieht.
In der Beratungsbranche scheint es weiterhin einen Zusammenhang zwischen den Überstunden der Mitarbeiter und dem Misserfolg des Projektes zu geben. Der Austausch des Projektleiters scheint in der Finanzbranche mit dem Projektmisserfolg zusammenzuhängen.

Die Einbindung des Kunden wird oft als ein wichtiger Erfolgsfaktor für Softwareprojekte genannt, konnte in dieser Studie aber nicht bestätigt werden. Es scheint außerdem keinen Zusammenhang zwischen der Erfahrung des Projektleiters und dem Projekterfolg zu geben.

Was nach Ansicht der Mitarbeiter ein gutes Produkt auszeichnet


Die Autoren dieses Artikels gehen in ihrer Analyse weiterhin auf die individuelle Wahrnehmung der Projektmitarbeiter von Erfolgsfaktoren ein. Für den Bereich der Softwareproduktherstellung für die Finanzbranche werden dazu zum Beispiel die folgenden Faktoren genannt:

die drei wichtigsten Faktoren für Produkterfolg:
  • zufriedener Kunde

  • sehr gute Qualität

  • zufriedenes Top-Management

die drei unwichtigsten Faktoren für Produkterfolg
  • zufriedenes Team

  • gute Reputation als Lieferant

  • Zahl der verkauften Lizenzen

Das Papier hält weitere spannende Ergebnisse bereit und enthält insgesamt einige gute Impulse, um über die branchenspezifische Wahrnehmung von Projekt- und Produkterfolg nachzudenken.

Wir wünschen eine angenehme Lektüre!
Ihr LPZ IT-Radar-Team

Das Paper des Monats


„Successful software project and products: An empirical investigation"
, Richard Berntsson-Svensson und Aybüke Aurum (University of New South Wales, Sydney, Australia); Proceedings of the 2006 ACM/IEEE international symposium on Empirical software engineering table of contents, Rio de Janeiro, Brazil, SESSION: Software projects table of contents, Pages: 144 - 153, Year of Publication: 2006, ISBN: 1-59593-218-6, ACM New York, NY, USA. Digital Object Identifier: 1159733.1159757, 5 $.

Es ist zu beziehen unter:
http://portal.acm.org/citation.cfm?id=1159757


Paper des Monats #2 (PDF)

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