IT-Radar

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Dr. Alexander Richter zu Enterprise 2.0 - Teil I

Interview

Enterprise 2.0, Social Software oder Groupware im Web 2.0? Diverse Begriffe und die dahinter stehenden Konzepte haben in den letzten Jahren eine hohe mediale Aufmerksamkeit erfahren. Sehr viele Unternehmen behaupten heute von sich, sie würden Enterprise 2.0 praktizieren. Eine eindeutige Systematisierung der Begriffe und Konzepte steht jedoch immer noch aus. Damit einher geht auch die Frage nach dem Nutzen des Einsatzes von Social Software sowie den Voraussetzungen für einen Einsatz in Unternehmen.
Diesen und anderen Fragen geht Vincent Wolff-Marting im ersten Teil unseres IT-Radar-Interviews mit Dr. Alexander Richter von der Forschungsgruppe Kooperationssysteme an der Universität der Bundeswehr München nach. Dabei wird unter anderem deutlich, dass vor allem ein Wandel in der Unternehmenskultur die Weichen für den erfolgreichen Einsatz von Enterprise 2.0 stellen kann.

Im zweiten Teil des Interviews stehen vor allem Fragen nach dem Stand der Durchdringung sowie der Messbarkeit des Nutzens im Vordergrund. Sie können Teil II in kürze an dieser Stelle hören und lesen.


Interview mit Dr. Alexander Richter - Teil I (MP3, 21 MIN)


Transkript des Interviews mit Dr. Alexander Richter - Teil I (PDF)


Info-IconInformationen zu Dr. Alexander Richter



Das Interview zum Nachlesen:

Liebe Hörer, herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des IT- Radar. Wir sind heute zu Gast bei Herrn Dr. Alexander Richter an der Universität der Bundeswehr München.

Herr Dr. Alexander Richter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Kooperationssysteme und betreut hier unter anderen das Forschungsprojekt Enterprise 2.0 Fallstudienraster. In diesem Projekt werden verschiedene Fallstudien zum Einsatz von Social Software in Unternehmen dokumentiert, um das gesamte Wissen zwischen Forschung und Wissenschaft transferieren zu können. Herr Dr. Richter ist außerdem Autor verschiedener Publikationen zum Thema Enterprise 2.0 und hat zahlreiche Beiträge zum Thema Social Networking und Social Software veröffentlicht. Herr Dr. Richter, herzlich willkommen zum IT- Radar Interview.

Herzlichen Dank.

Wir haben alle in den vergangenen Jahren sehr viel Aufmerksamkeit um Web 2.0 Werkzeuge in den Medien mitbekommen. Es entsteht manchmal der Eindruck, dass es sich bei diesen Technologien vor allem um neue Kommunikationskanäle für den Dialog zwischen Kunden und Geschäftspartnern handelt. Ist es so, dass Social Software in Wirklichkeit nur eine Bündelung verschiedener Kommunikationskanäle ist?

Ich würde auf jeden Fall sagen, dass die Plattformen, die da zum Einsatz kommen, eine neue Art von Kommunikation ermöglichen, weil sie den Zugang zu Informationen transparenter machen und auch verschiedene Interaktionen schneller ermöglichen als es vorher der Fall war. Die Kanäle gab es schon vorher; genau wie die Möglichkeit zu kommunizieren.

Es gab aber verschiedene Einflussfaktoren, die dafür gesorgt haben, dass es erst jetzt so richtig abhebt oder abgehoben ist. Unter anderen liegt es daran, dass gerade erst in den letzten Jahren eine Vervielfachung der Internetnutzer stattgefunden hat. Der Zugang zum Netz ist also ein ganz wesentlicher Punkt, der erst einmal gar nichts mit den Plattformen zu tun hat. Hätten wir immer noch dieselbe Bandbreite und Kosten für das Internet wie vor fünf oder zehn Jahren, hätte beispielsweise Facebook wesentlich weniger Nutzer. Dabei ist es egal, wie gut oder ausgereift die Plattform ist. Aber generell denke ich, dass wir mittlerweile ein anderes Kommunikationsverhalten feststellen können, wodurch die Kommunikationskanäle anders genutzt werden.

Ich kann mir vorstellen, dass bei vielen Personen die Begriffe Enterprise 2.0, Social Software und so weiter noch relativ unklar sind und sie schreiben auch selbst aktuell in einem Beitrag zur Multikonferenz Wirtschaftsinformatik 2010, dass hier noch eine Systematik gebraucht würde. Wir haben eine Definition von Andrew McAfee gefunden, der bereits 2006 folgendes vorschlug: “I used the term Enterprise 2.0 to focus only on those platforms that companies can buy or built in order to make visible the practices and outputs of their knowledge workers.”

Der Begriff sollte demnach nur auf solche Plattformen bezogen werden, mit Hilfe derer visualisiert werden kann, was die Wissensarbeiter schaffen. Was halten Sie von dieser Definition?

Die Definition finde ich grundsätzlich sehr gut. Ich finde es sehr angenehm, dass auch Andrew McAfee als derjenige, der den Begriff geprägt hat, vorschlägt, sich erst einmal an die Wissensarbeit oder an die Zusammenarbeit im Unternehmen zu halten. Das machen viele andere nicht.

Hier muss man zunächst einmal sagen, dass Enterprise 2.0, zu meinem Bedauern, inzwischen ein riesiges Schlagwort geworden ist und dass jeder, der irgendein Tool aus dem Bereich Web 2.0 nutzt, es als Enterprise 2.0 bezeichnet. Das heißt, der Begriff wurde insbesondere von Marketingkampagnen und Agenturen vereinnahmt, die jetzt behaupten, sie würden Enterprise 2.0 machen, wenn sie beispielsweise Twitter einsetzen, um Produkte zu vermarkten. Dies ist ganz und gar nicht unsere Sichtweise.

Natürlich ist es das gute Recht anderer zu sagen, dass Marketing mit Twitter oder Facebook Enterprise 2.0 sei, weil es eben auch einen gewissen Geschäftsbezug hat. Aber die Definition von Andrew McAfee gleicht eher unserer Einschätzung, wonach Enterprise 2.0 und der Einsatz von Social Software im Unternehmenskontext die Zusammenarbeit und Wissensarbeit sowie die Kommunikation der Mitarbeiter in einem Unternehmen unterstützen soll. Das kann im Unternehmen selbst oder im Sinne eines virtuellen Unternehmens - also eines Zusammenschlusses oder einer Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen - sein, immer abgegrenzt innerhalb eines geschlossenen Bereichs. Wenn man bei dem Begriff Enterprise 2.0 bleiben will, umfasst dieser mehr als nur die Nutzung von Social Software zur Vermarktung oder zur Kommunikation mit Kunden


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